Kiesgruben bei Paderborn

 

Der Kiesabbau im Raum Paderborn, entlang der Lippe hat seine Spuren hinterlassen. Die Lippe fließt nicht mehr in ihrem ursprünglichen Flussbett, man hat sie am Lippesee an den südlichen Rand verlegt. Zahlreiche Seen wie Lippe-, Nesthauser- und Heddinghauser See stammen vom Kiesabbau der letzten 80 Jahre.

Überwiegend besteht das Gesteinsgemenge aus Kalken der Oberkreide, aber auch Gerölle des Rheinischen Schiefergebirges. Diese fluvialen Gerölle sind zum Teil durch Quartäre Eiszeitsande und Geschiebe des Ostseeraumes überdeckt. Als typisch nordische Geschiebe kann man Feuersteine (auch Seeigel) oder paläozoische Sandsteine aus dem Kambrium mit dem Spurenfossil Scolithos linearis finden.

In den obersten Schichten aus Flugdecksanden sind Säugetierreste (Mummuth Mahl- und Stoßzähne), aber auch Artefakte eingebettet. Die zahlreichen Kiesabbaubetriebe haben mittlerweile Steinbrecher vor ihren Sortieranlagen eingebaut, so dass man kein „Überkorn“ mehr finden kann.

Kieswerk der Fa. Siemensmeyer am Lippesee Okt. 2013 Kieswerk der Fa. Siemensmeyer am Lippesee Okt. 2013

Kieswerk der Fa. Siemensmeyer am Lippesee Okt. 2013 Kieswerk der Fa. Siemensmeyer am Lippesee Okt. 2013

Kieswerk der Fa. Siemensmeyer am Lippesee Okt. 2013

Südliche Gerölle aus dem Sauerland (Rheinischen Schiefergebirge), stammen üblicherweise aus dem paläozoischen Brilononer Sattel (Devon und Karbon). Die Kalke mit Korallen und weitere Fossilien stammen aus dem Briloner Massenkalkkomplexes, diese sind aus dem mittleren- und oberen Devon.

Des Weiteren lassen sich ockerfarbene Devonkalke mit Quarzbändern und Holräumen, die mit Quarzkristallen ausgekleidet sind, finden. Unter den Geröllen befinden sich auch sog. „Grauwacken“ mit typischen Quarzgängen und Konglomerat-Gesteine, sie stammen aus dem Grenzbereich Devon/Karbon. Aus dem Unterkarbon stammen Jaspis und Radiolarite, die Herkunft ist das Lahn-Dill Gebiet während die Devon- und Karbon-Gerölle aus dem Briloner Sattel stammen.

Sandstein mit Quarzbändern (pseudonym Grauwacke) Konglomerat (Karbon)

Sandstein mit Quarzbändern (pseudonym Grauwacke) und ein typisch karbonzeitliches Konglomerat;

Mitteldevonischer Kalkstein

Mitteldevonischer Kalkstein, manchmal mit Korallen;

Der Anteil an Geröll aus dem Mesozoikum wird vor allem durch die Oberkreide, die überall um Paderborn ansteht, bestimmt. Meist handelt es sich um Cenoman und Turon Kalke mit den typischen Fossilien wie Inoceramen, Schloenbachien, etc.. Seltener sind Gerölle aus dem Coniac Schichten zu dazwischen.

Aus der Trias stammen hellrötliche Bundsandsteine die aber seltener sind. Die Gesteine der Unterkreide spielen nur eine untergeordnete Rolle. Es sind braunrote bis rotviolett gefärbte schwach kalkige Sandsteine aus der Lokalen Herbram-Formation. Dieser Gault-Sandsteinstammt von einer regional begrenzten Lagerstätte zwischen Herbram und Kleinenberg (südlich Paderborn). Daher auch der Name für diese Formation. Hiss, Kaplan & Wilmsen (2007) stellen die Herbram-Formation ins oberste Albium und in den unteren Plänerkalk des Aucellina Events.

Das Gestein ist sowohl kieselig als auch limonitisch-hämatitisch gebunden. Einige Gerölle sind teilweise stark verkieselt, diese Verkieselung kommt durch die Anreicherung mit Schwammnadeln (Spiculas) die im frischen Bruch mit bloßem Auge als weiße Striche zu erkennen sind. Diese abgerollten Flussgerölle enthalten neben sehr viel Spurenfossilien, auch Muscheln der Art Inoceramus concentricus oder auch I. sulcatus. Manchmal lassen sich auch Seeigel darin finden, hier sind es frühe Formen von Holastern.

Inoceramus concentricus  (oberstes Albium, Herbram-Formation)  Bioturbationoberstes (oberstes Albium, Herbram-Formation)

Inoceramus concentricus und ein Sandstein mit Bioturbation (oberstes Albium, Herbram-Formation)

Die nordischen Geschiebe der Saale-Eiszeit sind da schon häufiger als die Unterkreide Sandsteine des Albium. Entweder handelt es sich um Kristalline Gesteine oder um Sedimente wie Sandsteine oder Feuersteine und Feuerstein-Seeigel. Auf jeden Fall sind es Gesteine die einen sehr langen Transportweg überstehen können, daher haben Kalk- und Tonsteine in dieser Region des Münsterlandes immer nur einen lokalen Bezug.

Granit (nordisches Geschiebe)Scolithen-Sandstein    

Ein großer Granit (nordisches Geschiebe, 40 cm), daneben ein kambrisches Spurenfossil Scolithos linearis

Zu den spektakulärsten Knochenfunden des Pleistozäns gehören die europäischen Elefantenarten. Knochenfunde sind in der Senne recht häufig, jedoch muss man stets alle Kieswerke abklappern und auch jede Baugrube in Augenschein nehmen und mit etwas Glück, lassen sich auch Knochen finden. Mammuth-Zähne gehören aber nicht zum Standard, sind eher selten dabei. Das Abgebildete Objekt stammt aus einer Kiesgrube (April 2015).

Pleistozän - Knochen

Elephantidae: Molare (abgerollt) von Mammuthus primigenius , Gesamtlänge: 215 mm;