Die Pechkohle von Sieringhoek (Gildehaus)

Zwischen Bad Bentheim und Gildehaus, wo die Bruchkante des Bentheimer- und des Gildehauser-Sandsteins an die Oberfläche gedrückt wurde, tritt aus Klüften schwarzer Asphalt bis an die Oberfläche. Es handelt sich hierbei um völlig ausgegastes Erdöl das zu Asphalt erstarrte. Diese Variante des Asphalts wird als Asphaltit bezeichnet und ist geruchlos, tiefschwarz, im Randbereich nicht durchscheinend, kaum schmelzbar, spröde, glasartig splitternd. Also alles Merkmale die dieses Material auch als Kohle durchgehen lies, was dann auch zu dem Namen Pechkohle führte.

 

Sandstein mit Asphaltit

 Sandstein mit Asphaltit-Bröckchen aus der Unterkreide von Salzbergen; 

1854 erhielt der Kaufmann Philipp Theodor Meier aus Bentheim die Schürfrechte vom Finanzministerium Hannover. Für den Aufbau einer Zeche wurde deshalb 1859 eine Aktiengesellschaft mit dem Namen „Bentheimer Bergwerksverein“ gegründet und die Kleinzeche „Hoffnungszeche“ eröffnet.

Um die abbauwürdigen Asphaltit-Klüfte zu finden, wurden zunächst Schürfgräben gezogen. An ergibiegen Stellen wurde der Asphaltit bis auf 6m Teufe abgebaut und an zwei besonders lohnenswerten Stellen wurde Asphaltit bis in 36 m Teufe abgebaut. In 20 m Teufe wurde ein Querschlag durchgeführt bis auf die Asphaltit-Kluft II (Hauptgang). Im Asphaltitgang I bestand noch ein weiterer Stollen im südlichen Teil, dieser diente auch dem Wasserabfluss aus dem Schacht und führt bis heute Grubenwasser in einen Graben in der Nähe der alten Schule Sieringhoek ab.

Die Förderung des Asphaltits wurde tonnenlägig durchgeführt, da die Schächte schräg verlaufen. Dazu gehörte ein einfaches Dreibein-Fördergerüst, die Schächte folgten meist der Neigung des Asphaltitganges und waren mit Holz ausgebaut. Im Schacht glitt das Fördergefäß (eine Tonne) auf Schienen auf und ab. Die Bergleute mussten über Leitern in den Schacht steigen. Mit dem Fördergefäß auf- und abzufahren war strengstens verboten, trotz dieses Verbots kam es dennoch zu Unfällen. Der so gewonnene Asphaltit wurde in der Nähe der Schächte in drei elliptischen Retorten zu Paraffin für die Kerzenherstellung und Schmieröl verarbeitet. Die Klüfte verlaufen in NW-SO Richtung und fallen mit 80 - 84° in östlicher Richtung ein, die durchschnittliche Mächtigkeit liegt bei 0,15 m. Der westliche Asphaltitgang I besaß eine Klufttasche von 60 Meter Länge und 0,50 m Mächtigkeit, hatte aber nur eine durchnittsmächtigkeit von 13 cm.

1862 erkannte H. Credner aus Leipzig das es sich nicht um Kohle, sondern um Asphalt (Erdölabkömmling) handelt. Diese Erkenntnis befeuerte 1872 die Suche nach dem Emsland-Erdöl.

Gedenkstein an den Schacht Karl-Rudolf (1881-1978)Erst 1880 als die neugegründete Gewerkschaft Bentheim das Bergwerk übernahm und 1881 einen neuen  Schacht abteufte, verlief der Abbau relativ reibungslos. Der neue Schacht „Schacht Carl-Rudolf“ war 4 Meter im Durchmesser und 127,5 Meter tief. Dieser Schacht bekam einen gut 12 Meter hohen hölzernen Förderturm mit einer seitlich stehenden Haspel. Der Schacht selber war mit Feldbrandklinkern ausgemauert, von diesem verliefen einige Querstollen in die Asphaltit-Klüfte hinein. Schon in einer Teufe von 4 bis 5 m erweiterte sich eine Asphaltit-Kluft zu einer kompakten Kluft von 0,30 bis 1,00 m und darüber, damit war der Asphaltbergbau sehr profitabel geworden.

1884 traf man eine stark Wasserführende Kluft im Querschlag auf 120 m Teufe an. Die Pumpen kamen gegen die Wassermassen nicht an und der Asphaltabbau wurde kurze Zeit später eingestellt.

Insgesamt hatte die Gewerkschaft Bentheim vom königlichen Oberbergamt zu Dortmund im Raum Sieringhoek sechs Grubenfelder für die Kohleförderung zugesprochen bekommen. So sind die Gruben „Hoffnungszeche“ 1+2, „Friedrich Wilhelm“ 1+2, „Viktoria“ 1+2 entstanden.

1898 wurden der Gewerkschaft Bentheim vom königlichen Oberbergamt zu Dortmund zwei weitere Eisenerzlager in der Ochtrup-Bentheimer Mulde (Brechte) zugesprochen und die Zechen „Hoffnungszeche“ und „Bentheim“ für den Abbau von Eisenstein genehmigt. Eine Auswertung bei den Hochdahler Hochofenwerken ergab einen zu hohen Phosphorgehalt. Der Versuch Eisenerz in der „Brechte“ zu fördern scheiterte. Der Bergbau ruhte dann bis 1929. In diesem Jahr wurde ein neuer Versuch zum Asphaltabbau gestartet, doch auch dieser schlug fehl.

1929/30 ließ der Unternehmer Anton Raky den Schacht wieder aufwältigen, auf der 40 Meter Sohle wurde ein Querschlag nach Osten vorgetrieben der dann nach 180 m auch die Kluft traf. Man öffnete den Asphaltitgang III. Ein weiterer Querschlag nach Süden traf in 58 m Entfernung eine stark wasserführende Kluft, diese musste abgedichtet werden. Das Ziel dieses letzten Bauabschnittes sollte Untersuchungsmaterial für säure- und laugebeständige Lacke und Kunststoffe aller Art liefern. Der Betrieb dieses Bergwerkes wurde im Jahre 1930 endgültig eingestellt und man deckte den Schacht ab. 1978 entschloss man sich den Schacht zu verfüllen und Abzudecken. Seit 2014 ist der einst lange Zeit verschüttete Eingang des Bergwerksschachts Karl-Rudolf wieder freigelegt und mit Informationsschildern versehen.

1862 erkannte Credner, dass es sich bei dem Material um Asphalt handelt, darum musste auch Öl dort zu finden sein. Im Jahre 1900 wurden die Westdeutschen Erdöl-Werke gegründet, finanziert wurde dieses Unternehmen von den Berliner Bankiers Ulrich & Co. mit 500.000 Goldmark. Am 29. Sept. 1904 wurde in Sieringhoek nach Erdöl gebohrt, bei 1132 Meter gaben sie auf. Die Suche nach Erdöl in Sieringhoek wurde komplett aufgegeben, ein fataler Fehler wie man heute weiß, denn wenn sie nur zweihundert Meter tiefer gebohrt hätten, ja dann hätten sie das flüssige Gold gefunden.

 

Das Erdöl im Bentheimer Sandstein

Vor 140 Millionen Jahren kam es in der Bentheimer Bucht des damaligen Binnenmeeres (Niedersächsischen Becken) zu einer interessanten Wechsellagerung aus Ton-, Kalk- und Sandstein. Die abgelagerten Organissmen dieses Flachmeeres wurden stark von Süßwasser beeinflusst. Hier bildete sich eine typisch monotone Brackwasser Fauna und Flora aus, ähnlich die der Ostsee. Bestimmt wurden die Sedimente von bituminösen Blättertonen und Bänken aus Muschelschalen. In Phasen der Hypersalinität lagerten sich Ölschiefer (auch Leder- oder Papierschiefer) ab. Zyklische Phasen der Algenblüte sorgten für unterschiedliche Mengen an Algen vom Typ Botrycoccus und damit an organischem Material. Diese unterschiedlichen Mengen sorgten für einen unterschiedlichen Gehalt an organischem Kohlenstoff in dem Sediment. Der Anteil an organischem Kohlenstoff schwankt von 1,20 % bis 5,20%. Bei den Muschelschill-Lagen handelt es sich um aufsedimentierte Bänke die durch Sturmwellen mit Grundberührung aus dem Sediment ausgespült wurden und durch Strömungen als großflächige Muschelbänke abgelagert. Auf dem Meeresboden der Bentheimer Bucht lagerte sich durch periodisch auftretende Algenblüten Biomasse ab, diese sammelte sich in Senken. Diese Senken waren lebensfeindliche Bereiche, wo weitgehend unbewegtes Wasser war, ein sauerstoffarmer, aber reicher Anteil an Salz und Schwefelwasserstoff vorherrschte. Innerhalb dieses sauerstoffarmen Umfeldes, zersetzte sich das Plankton nicht vollständig. Die organischen Reste wurden Aufgrund des hohen Salzgehaltes in dem Flachmeer konserviert. Nun lagerte auf dem Grund eine Masse aus tierisch-organischer Substanz ab, so genannter Faulschlamm. Durch Flüsse von der Rheinischen Masse und der Niederländischen Triasplatte wurde der Faulschlamm meist mit Ton vermischt und dabei entstand ein unverfestigtes Gestein das sich Erdöl-Muttergestein nennt. Dieses Gestein ist immer ein Sedimentit, das durch Ablagerungen entstanden ist. Das Erdöl-Muttergestein gerät durch fortschreitende Sedimentation allmählich in tiefere Schichten. Dadurch stiegen Druck und die Temperatur (bis max. 160°C) wie bei der Kohleentstehung an. Unterkreide - HauteriveBei einer so niedrigen Temperatur kocht der Stein und es kam zur Umbildung dieses Gesteins. Es bildete sich Ölschiefer auch „Black-Shale“ oder Anoxic Gestein mit einem hohen Anteil an organischem Kohlenstoff. Würde jedoch die Temperatur des Erdöls über 160 °C ansteigen, dann würde das Erdöl zerfallen und es bildet sich Erdgas + Bitumen.

Schon zu Beginn der Oberkreide begannen die stark durchgebogenen Kreideplatten zu brechen und das Zechstein-Salz im Untergrund setzte nun extreme Bewegungen in Gang. Dabei wurden die darunter liegenden Schichten, vor allem die Schichten des Berrias (140 Mill. J.) extremen Belastungen ausgesetzt. Diese sorgten dafür, dass die Poren des ölhaltigen Papierschiefers aufgrund des zunehmenden Druckes und der auftretenden Hitze weiter verdichtet, und das Erdöl flüssiger und dabei wie beim zusammendrücken eines Schwammes herausgequetscht wurde. Dieses Erdöl konnte nun über Klüfte in ein darüberliegendes poröseres Gestein aufsteigen. Der Bentheimer Sandstein ist ein solches Gestein, in dem sich das Erdöl nun im Gesteinsgefüge sammeln konnte, dabei war es in sogenannte Fallen im Sandstein gefangen. Aus diesen, zur Oberfläche hin abgeschlossenen Bereichen, konnte das Erdöl so nicht Ausgasen, aber diese Art der Abdichtung war nicht immer gegeben, was sich zum Beispiel am Waldhügel von Rheine gut sichtbar in den mit Calcit gefüllten Klüften des unteren Cenoman zeigt. Hier sind in einigen Klüften Calcite zu finden, die zum Teil erheblich mit Erdöl durchsetzt und auf den Kristallflächen mit Bitumen verschmiert sind.