Die älteste Erdölraffinerie der Welt in Salzbergen

 

 Raffinerie Salzbergen Blätterton

 

Aus den Anfängen

Aus einer Idee geboren, auch in Salzbergen Steinkohle zu fördern, fanden sich 1854 einige Geschäftsleute aus Salzbergen zusammen um die finanziellen Mittel für ein Bergwerk zusammen zu bekommen. Man vermutete dieselben Steinkohleflöze, wie sie in Ibbenbüren und dem Osnabrücker Raum vorkommen, auch unter Salzbergen. Natürlich gab es keine Kenntnisse zur Geologie in Salzbergen, dennoch wurde eine Bohrung beantragt und genehmigt. In früheren Jahren wurden bei Bohrungen nach Salzsohle keine Kohleflöze gefunden und trotzdem wurde gebohrt. Die Bohrung sollte auf 60-90 Meter Teufe gebracht werden, doch schon nach einigen Metern kam man auf bituminöse Schiefer mit einem hohen Anteil an organischem Kohlenstoff. Daraufhin wurden die Abbaurechte beantragt.

1860 bekamen die Geschäftsleute die Abbaurechte und die Konzession für eine Versuchsanlage vom Königlichen Amt in Lingen. Es entstand die erste Raffinerie unter dem Namen Paraffin- und Photogenfabrik.

Im gleichen Jahr wurden Gebäude und 12 gusseiserne Retorten aufgebaut. Diese Retorten sahen aber aus wie Siedeöfen (0,75 x 0,75 x 2,5 m, B/H/L), in diesen wurde zerkleinerter Schiefer ausgekocht. Aus 100 Zentner Schiefer bekam man knapp 200 Liter Steinöl täglich. Der Aufwand von Abbau, Transport und zerkleinern bis hin zum auskochen stand in keinem Verhältnis zum Ertrag, denn die Verarbeitung von 400 Zentner Schiefer täglich wurde nie erreicht, trotz der Aufstockung der Retorten auf 40 Stück. Die Anlage in Salzbergen stand schon nach kurzer Zeit vor dem Aus.

Dr. W.H. Lepenau (1838-1901) übernahm 1861 die Werksleitung und baute die Anlage für das amerikanische Erdöl aus Pennsylvania um. 1862 verabschiedete man sich von der Verarbeitung des heimischen Schiefers aus Salzbergen und verarbeitete von nun  an Rohöl aus Pennsylvania. Lepenau war der erste Unternehmer in Deutschland der Rohöl aus den Vereinigten Staaten verarbeitete. Das Öl kam in Fässern in Antwerpen an und wurde per Eisenbahn nach Salzbergen transportiert. Dort wurde es dann in Destillationsblasen mit einem Fassungsvermögen von neun Barrel (1430 Liter) weiterverarbeitet.

1863/64 wollte man das Unternehmen vergrößern und ein Aktiengesellschaft gründen, um das Stammkapital auf 300.000 Reichstalern zu erweitern. Dieser Plan scheiterte und Dr. Lepenau erwarb stattdessen die Anteile seiner Mitstreiter. Von da ab sollte das Werk seinen Namen tragen. 1865 wurde das Werk in Salzbergen von Paraffin- und Photogenfabrik in Dr. W.H. Lepenau Fabrik umbenannt.

Ab 1870 wurden weitere Produkte verarbeitet, unteranderem wurden Paraffinöle aus der Thüringer Braunkohle gewonnen und neben dem amerikanischen Rohöl wurde auch Rohöl aus dem Elsass in Salzbergen verarbeitet. Dazu wurden die bestehenden Anlagen vergrößert, die größte Destillationsblase hatte ein Fassungsvermögen von 3975 Litern. Hinzu kam eine neuentwickelte Schwefelsäureaffinationsanlage mit der verschiedene Destillate gereinigt werden konnten und man lieferte Gasöl aus der Paraffinproduktion an die Stadt Rheine.

In den kalten Wintermonaten wurden die zähflüssigen Destillate durch Filterpressen endparaffiniert und so ließen sich Schmieröle und Paraffin von hoher Qualität gewinnen. Das Paraffin wurde unteranderem an Kerzenfabriken verkauft. Die Schmieröle wurden unter anderem nach Russland und Österreich-Ungarn verkauft. Um die Qualitäten der Schmieröle zu verbessern, entwickelte Lepenau das Leptometer (Viskosimeter). Mit diesem Gerät konnte man die Konsistenz der Öle bestimmen, erst in den 1920er Jahren wurde dieses Gerät vom Engler-Viskosimeter verdrängt.

1880 wurde das erste Rohöl aus der persische Stadt Baku (Kaspischen Meeres) nach Salzbergen geliefert. Aus diesem viel günstigeren Rohöl und besonders lukrative Verträgen mit verschiedenen Eisenbahnen wurde das Werk in Salzbergen erweitert. Neben Gasöl, Paraffin und Schmierölen wurden nun auch große Mengen Petroleum gewonnen. Das dabei entstandene Benzin wurde als Wundbenzin an Krankenhäuser und Apotheken verkauft, an den Treibstoff für Motoren dachte damals noch keiner.

Um 1885 wurde auch Rohöl aus Wietze und Ölheim (Lüneburger Heide) in Salzbergen verarbeitet. Schon 1859 wurde erfolgreich nach Erdöl in Wietze gebohrt, doch das Rohöl aus Wietze entsprach nicht den Standards zur weiteren Verarbeitung.

Nach dem Tod von Dr. W.H. Lepenau begann eine Berg- und Talfahrt der Fabrik. 1910 wurde das 50-jährige Bestehen gefeiert. Mit Kriegsausbruch 1914 wurde das Unternehmen als „kriegswichtig“ eingestuft und die Produktion wurde angekurbelt.