Ordovizische Schwämme aus dem Geschiebe

 

Durch die Eisvorstöße wurden die mitgeführten Kiese und Sande großflächig in Norddeutschland abgelagert. Diese eiszeitlichen Spuren bieten nicht nur für die Industrie ein Betätigungsfeld, nein auch Sammler können sich quer durch die Entwicklungsgeschichte der Erde wühlen. Mit dem industriellen Kiesabbau der eiszeitlichen Hinterlassenschaften wurden auch schon zahllose Fossilien aus verschiedenen Erdzeitaltern von Sammlern geborgen. Eine ganz besondere Gruppe von Fossilien sind die paläozoischen Schwämme aus dem Oberordovizium.

In den letzten 100 Jahren des Kiesabbaus wurden insgesamt rund 65.000 Ordovizische Schwämme gefunden. Dieses klingt zwar nach sehr vielen Individuen, aber auf einen Ablagerungszeitraum vom Caradocium bis ins untere Silur verteilt, haben wir nur eine verschwindend geringe Menge an Schwämmen. Außerdem sind alle gefundenen Individuen doch relativ klein, was nicht für optimale Lebensbedingungen spricht, denn unter sehr guten Lebensbedingungen mit ausreichender Strömung und Nahrung, würden einige Schwämme beachtliche Größen erreichen und auch wirklich in Massen auftreten.

Unter den Hornkieselschwämmen findet man komplett erhaltene, nur Sockelteile von Schwämmen bis hin zu völlig abgerollten Schwämmen. Oder aber es sind Schwämme mit Druckmarkern, mit Fraßspuren und die zufällig beim Anlegen eines Wühlganges beschädigt wurden. Häufig findet man aber zerbrochene Schwämme. Diese letztere selektive Fossilzerstörung lässt sich durch den glazialen Transport erklären. Typische Merkmale hierfür sind Parabelrisse bei Intakten Schwämmen. An diesen Stellen brechen viele Schwämme leicht auseinander.

Bei der Größe einzelner Schwämme sind die Kugelschwämme mit 2-6 cm Durchmesser die kleinwüchsige Gruppe der Schwämme, Schüsselförmige sind zwischen 2 bis 12 cm im Durchmesser groß. Einzelne sollen es da schon auf über 20 cm Durchmesser gebracht haben (RÖMER, 1861). Kleinere Schwämme, unter 1,0 cm Durchmesser sind trotz gezielter suche nicht zu finden. Gerade sie aber sollten noch häufiger zu finden sein als große Exemplare.

Die Überlieferung der Schwämme ist ganz unterschiedlich, von der völligen Verkieselung, der teilweisen Kalkerhaltung und der reine Kalkerhaltung. So kommt es häufig vor, dass der Schwammsockel verkieselt ist und das obere Schwammgewebe nur verkalkte. Zwischen diesen beiden Materialien gibt es keine feste Verbindung, so trennt sich der kalkige Teil sehr leicht vom verkieselten Sockel und übrig bleibt eine glatte Grenzschicht bei beiden Stücken.

Geschiebe Kalksteine des oberen Ordoviziums weisen ein hohes Arten- und Individuen-Vorkommen auf. So siedelten auf dem ehemaligen Meeresboden Beutelstrahler und Seelilien, Korallen, Hornschwämme, Glasschwämme und Stromatoporen. Auch verschiedenste Schnecken, Muscheln, Trilobiten und Brachiopoden gehörten, wie noch zahlreiche weitere Organismen, zu den benthischen Bewohnern. Sie alle lebten im flachen Schelfbereich von Baltica.

Die Lithistiden Schwämme des Kontinents „Baltica“ beschränken sich auf die beiden Familien Streptosolenidae (Johns, 1994) und Astylospongiidae (Rigby & Chatterton, 1989). Ein Artenreichtum wie wir es aus mancher Literatur kennen, mit Schwämmen des Nachbarkontinents „Laurentia“ (heutiger nordamerikanischer Kontinent) ist nicht beweisbar. Problem der Bestimmung von Geschiebeschwämmen ist der Arten- und Formenreichtum der Oberkreide-Schwämme und das Fehlen von Schwammnadeln zur Bestimmung. Diese haben wohl bisher zu Verwechslungen mit ordovizischen Schwämmen vom nordamerikanischen Kontinent geführt. Wohl darf man annehmen, dass Schwämme während des Silurs von „Baltica“ nach „Laurentia“ einwanderten, was auch durch Kugelschwämme aus dortigen Silur-Ablagerungen zu belegen ist.

Ein weiterer interessanter Schwamm ist Pyritonema, dieser Schwamm auf „Baltica“ vor. Funde aus  England und Tschechien belegen die doch weit verbreitete Art. England, im Ordovizium die Insel „Avalon“ war während des Caradocium nicht weit von Baltica entfernt. So kam dieser Schwamm durch Strömungen auch in unsere Region.

Um auf dem Weichgründen des Schelfmeeres stabil zu ruhen, brauchte es aber nicht nur Bündel von Glasnadeln. Nein, auch eine große Standfläche sicherte eine stabile Lage. Schwämme wie Aulocopium bildeten der Substrat zugewandten Seite abgeflachte Plattformen. Diese flächigen Auflagen werden durch ringartige Anwachsstreifen dargestellt. Für ihre Initialansiedlung war jedoch ein Hartgrund erforderlich, möglich wäre ein Hartgrund nicht größer als ein Sandkorn für die Schwimmlarven.

Der heranwachsende flache Schwammkörper von Aulocopium wuchs auch über in der Nähe siedelnde Bryozoen oder herumliegenden Schalentiere. Bryozoen wie Diplotrypa wurden da durchaus auf den Kopf gedreht und vom Schwammkörper einfach ins Sediment gedrückt, andere Organismus-Überreste wurden ins Schwammgewebe mit eingebaut.

Wenn Aulocopium den Basis Teil aufgebaut hatte, wölbte sich die Außenkante nach Oben und so wuchs eine mehr oder weniger gut ausgebildete „Suppenschüssel“ heran.

Bei den Kugelschwämmen sieht’s etwas anders aus. Deren Lebensweise gestaltet sich doch unterschiedlich. Einige von ihnen bewegte sich wahrscheinlich rollend über das Sediment. Ein ähnliches Bild zeigt eine Schwammart in der Adria, auch hier gibt es Kugelschwämme (Cinachyra alloclada). Die Vermutung liegt nahe, dass die Ordovizischen Kugelschwämme kein stark von Wellen bewegtes Wasser bevorzugten, wohl aber ein gut durchströmtes Wasser. Cinachyra alloclada bewegt sich mit der Strömung vorwärts, ist damit kein Bodensiedler. Andere wie Astylospongia gehörte zumindest nicht dazu. Diese Schwämme waren Bodensiedler und bevorzugte möglicherweise aber auch ruhige Bereiche des Schelfmeeres mit geringer Strömung.

Derzeit bleibt die Frage nach der Herkunft ein Rätsel und ohne Beweise ist alles nur Spekulation, so bleibt uns diese Frage erhalten. Aber Interessant und ästhetisch sind die Schwämme allemal, und vielleicht gibt es ja in naher Zukunft den entscheidenden Fund der zur Klärung der Quelle, der entscheidend dazu Beiträgt.

Die Schwammfauna

 

Ashgillium Ashgillium
Beide Schwammhälften zeigen die typisch Lavendelblaue Farbe dieser Schwämme;
 
 
Ashgillium  Ashgillium
Diese beiden Schwämme der Art Aulocopium aurantium zeigen unterschiedliche Wachstumsmuster, während links der Schwamm normal auf Weichgrund gewachsen ist, zeigt der Schwamm rechts ein zylindrisches Wachstumsmuster was auf eine hohe Sedimentationsrate hinweist.
 
 
 
 
Ashgillium
Typische Kugelschwämme (Carpospongia globosa) mit mobiler Lebensweise;
 
 
Ashgillium  Ashgillium
Schwamm Astylospongia praermosa mit sessiler Lebensweise;
 
 
 
Caradoc - Backsteinkalk
Glassschwamm Pyritonema subulare
Nur die kieseligen Spiculas, mit dem sich der Swamm im weichen Sediment halten konnte, sind erhalten.
 
 
Caradoc - Backsteinkalk
Bildausschnitte

 

Ashgillium
Aulocopium aurantium mit Anwachsplattform für Weichgründe.
Sie verhinderte ein Einsinken und bei Strömung das fortspülen.
 
Ashgillium
Aulocopium aurantium;
Selten kommen Schwämme mit Achatneubildungen und blasenförmige Chalcedon Aggregate vor.
 

 

 Erstellt: 7. ‎September ‎2014