Pflanzen der Unterkreide

 

Am Ende des Jura glich Europa noch einem Inselarchipel, ähnlich dem indonesischen Archipel, dass von ausgedehnten Nadelwäldern bewachsen war. Das London-Brabant Massiv, eine große Insel und die Pompeckj’sche Schwelle haben sich gerade erst zu einer Landmasse verbunden. In waldlosen Bereichen tummelten sich Dinosaurier, Flüsse und Wasserläufe waren Krokodile und Schildkröten zuhause. Wälder und Teiche wurden von Insekten bewohnt mit 25 cm großen Schmetterlingen.

Im Westen, im heutigen England lagen sumpfige Bereiche genau wie in Norddeutschland, der südlich gelegene Teil wurde von einem Gebirge getrennt, was zu einem eher tropischen Klima führte. Hier gab es ein blaues Meer mit tropischen Sandstränden, kurzum es sah aus wie im Paradies. Die ausgedehnten Oberjura Riffstrukturen in Süddeutschland sind Überreste aus jener Zeit.

Die nachfolgenden Bilder von verkieselten Pflanzenresten, stammen aus diesem Zeitfenster und gehören in die tiefe Unterkreide-Zeit, dem Serpulit bis Berrias.

 

 

Paläogeographische Karte nach Ron Blakey, Colorado Plateau Geosystems, Arizona, USA

Paläogeographische Karte nach Ron Blakey, Colorado Plateau Geosystems, Arizona, USA

(http://cpgeosystems.com/paleomaps.html)

 

Europäischer Baumfarn Tempskya schimperi (CORDA, 1845)

Funde von verkieseltem Holz aus dem Tertiär sind im Geschiebe keine Seltenheit. Meist handelt es sich um Zypressenholz. Einige dunkelbraun gefärbte Stücke sehen auf den ersten Blick aus wie Palmenholz oder Knochen, doch hier handelt es sich für das Geschiebe, um etwas sehr exotisches. Bei genauerem Hinsehen kommt man auf Baumfarne wie Psaronius aus dem Perm. Das Stammholz der Psaronius-Pflanzen fällt besonderes durch das besondere Wachstumsmuster auf.

Aus dem Zeitalter der Kreide stammen ganz ähnlich gewachsene und versteinert Farnfossilien dieser Periode. Hier handelt es sich um miteinander verwachsene Luftwurzeln. Auch wenn das Aussehen der Geschiebe-Stücke sich mit Psaronius-Holz ähnelt, so geht es hier um verkieselte Kreide-Hölzer. Die Erstbeschreibung von einem Stammholz mit dem Namen „Endogenites erosa  wurde erstmals von STOKES & WEBB (1824) beschrieben. Die beiden Engländer beschrieben diese fossile Pflanze als neue Palmen-Art. 1845 veröffentlichte August Carl Joseph Corda palmenähnliche Stämme aus der böhmischen Oberkreide und nannte sie Tempskya. Er war es, der erkannte, dass es sich nicht um Baumstämme handelte, sondern diese Pflanzen bildeten einen sogenannten Scheinstamm aus. Dieser  „Scheinstamm“ wurde in Europa bis 6 Meter hoch und bestand aus Luftwurzeln. Seine Verbreitung war Weltweit, in Europa sind aber nur Funde aus Deutschland, Tschechien und England bekannt.

Aus den tiefen Unterkreide-Schichten in Sussex wurden Scheinstämme geborgen, die Identisch mit den abgebildeten Stücken sin. In Tschechien sind ganze Stämme aus einem gelblichbraunen Grobsandstein des Cenoman bekannt. Dort wurden keulenförmigen, bis zu 2 m langen, verkieselten Tempskya-Scheinstämme gefunden. Versteinerte Reste dieser Farne, aber auch Nadelhölzer lassen sich immer wieder im Geschiebe finden. Vom Einbettungsmaterial mit Hölzern gibt es keine Spur.

 

Aus dem Wachstumsmuster von Tempskya-Scheinstämmen kann man Rückschlüsse auf das Aussehen schließen:

Ordnung:   Filicales

    Familie:   Tempskyaceae

        Genus:    Tempskya

                Art:     schimperi (D), erosa (GB)

 

Merkmale: Immergrüner Baumfarn mit sehr kräftigen, geradem Stamm mit einem Mantel aus von hinzuwachsenden Luftwurzeln. Tempskya kann etwa 6 Meter Wuchshöhe erreichen. Der Stammdurchmesser liegt bei maximal 30 Zentimetern (Nordamerikanische sind Größer).

Stamm: Tempskya ist kein Baum!  Es bildet sich kein Holzstamm aus, der Stamm besteht aber aus Luftwurzeln. Der Fachmann spricht hier von einem „Scheinstamm“. Die Luftwurzeln wachsen immer von unten nach oben, an denen sich mit Abstand Blattbasen befinden.

Wurzel: Die Wurzel besteht aus einem typisch für Baumfarne, feinen Wurzelgeflecht das der Standfestigkeit und auch der Nährstoffaufnahme diente.

Blätter: Die Wedel waren bis 50 Zentimetern Lang.

Zeit:  Kreide (135 – 65 Mio. Jahre) Blütezeit erst in der Oberkreide;

Verbreitung: Weltweit, Europa: Deutschland, Tschechien, England;

  

 
Unterkreide   Unterkreide
Seitenansicht und Querschnitt von Tempskya schimperi
 
Seitenansicht und Querschnitt von Tempskya schimperi
Geschnittenes Stück, die Luftwurzelquerschnitte sind durch Kompaktion verformt (weiße Striche)
 
 
 
Unterkreide  Unterkreide

Verkieseltes Nadelholz mit starker Holzzerstörung durch Pilzzerfall, in diesem Fall durch Braunfäule.

Deutlich sind noch transversale Hohlräume zu sehen.
 
 

 

Erstellt: 12. Februar 2017