Conolus und Bischhofsmütze aus Ahaus

 

Hollekamp

 

Einer der interessantesten Kreideaufschlüsse auf dem Oberkreide Rücken des nördlichen Münsterländer Kreidebeckens, ist der ehemalige Aufschluss in Ahaus, der heute ein eingetragenes paläontologisches Bodendenkmal in Westfalen-Lippe ist (Stadt Ahaus. MTB 3907 Ottenstein).

Im Bereich Ahaus –Wüllen hat sich während des Turon lithologisch eine besondere Kreidefazies abgelagert. Durch zunehmenden Druck der auflagernden Sedimentschichten und durch Brüche in der Kreideplatte hat sich Salz der Perm-Zeit in Bewegung gesetzt und eine schwache Stelle in diesem Bereich näher an die Wasseroberfläche gedrückt als es in der Umgebung geschah.

Die dort abgelagerten Sedimente sind vergleichbar mit Schreibkreideablagerungen im Ostseegebiet, nur dass es sich in Ahaus nicht um einCoccolithen-Gestein handelt. Coccolithen sind planktonische Flagellaten und bestehen aus Scheiben die sich zu einer Kugel verbunden haben.

Aufgeschlossen waren das Unterturon, Mittelturon und das Oberturon. Für den Kreideabbau standen überwiegend Schichten des Mittelturons im Focus.

Bekannt geworden ist der Steinbruch über viele Grenzen hinweg, durch die vielen Seeigel. Ganz besonders wegen der Conoluslagen, von denen es zwei Stück gab. Innerhalb dieser Lagen, kamen Nestartig hunderte von kleinen Seeigeln (Conolus) vor. Daneben waren Brachiopoden und andere Seeigel zu finden (siehe Fossilliste).

Das Unterturon beginnt hier mit 6 m der rotgefärbten labiatus-Schichten. Darüber folgten 7 m helle Mergel, aus denen sehr große Ammoniten geborgen wurden. Zusammen bildeten diese Pläner-Kalke die Hesseltal-Formation in Ahaus.

Die Mittelturons Fazies, die zu den lamarcki-Schichten gehören, und das darüber liegende Unterturon haben im Bereich Wüllen nur eine gering Mächtigkeit. Allein das Mittelturon hat hier lediglich ca. 15 Meter, während es im übrigen Münsterländer Kreidebecken aber mächtikeiten zwischen 30 – 40 Metern hat. Den Übergang zum Oberturon bilden die beidenConolusLagen. Auch das im Oberturon aufgeschlosseneHyphantoceras-Ivent tritt hier nur mit einem dünnen Band auf. Im östlichen Teil des Oberkreidebeckens ist diese Schicht aber 1 Meter mächtig. Die weißen bis gelblichweißen schreibkreideschichten sind nur schwach verfestigt.

Das damalige Kreidemeer hatte Mittelmeer Temperaturen und so kam es in dem Wüllener Bereich zu einer geradezu explosionsartigen Vermehrung einer Seeigelart. Aber auch für die anderen Individuen bestand hier ein idealer Lebensraum.

Spektakulär ist bestimmt der Rest einer „Meeresschildkröten“, die zu den Cheloniidae zu stellen ist. Es ist zwar nur ein Knochen gefunden worden, aber dem Privatsammler der vor vielen Jahren schon diesen Knochen in Wüllen gefunden hat und ihn der Wissenschaft zur Verfügung gestellt hat, sei an dieser Stelle ein Dank sicher.

Heute gehört das Gelände zu den Stadtwerken Ahaus, die Grube ist komplett mit Wasser gefüllt, lediglich am Rand ragen Reste der einstigen Steinbruchwand aus dem Wasser