Die Geschichte

Seit 1860 boomte die Ziegelherstellung da die Textilindustrie für ihre Produktionsstätten in dieser Region zahllose Ziegel benötigte. Alleine die Stadt Rheine mit den Werken der Firmen C + F.A. Kümpers benötigten täglich 8000 Ziegel für den gleichzeitigen Bau ihrer Werke. Aber auch in Nordhorn, Ochtrup, Ahaus und Gronau wurden viele Ziegel benötigt. Denn auch hier baute man die Fabriken auf um schnell die Produktion von Textilien aller Art aufnehmen zu können. Das sorgte  dafür, dass Ziegeleien wie Pilze aus dem Boden wuchsen. Überall wo Ton an der Oberfläche anstand wurde auch eine Tongrube aufgemacht. Ein Paradies für Sammler, die gab es aber kaum zu jener Zeit.

Ein Rektor und Lehrer (A. Hasenow) der früheren Mädchenschule und späteren Realschule in Gronau, der leidenschaftliche Naturkundler war, unternahm alleine oder mit Schülern Exkursionen in die Umgebung von Gronau. Hier machten sie kleine Ausgrabungen und präparierten die Fundstücke in der Schule. Im Anschluss wurden die Exponate in Aufsätzen beschrieben und der Öffentlichkeit vorgestellt. Unteranderem kamen sie auch zur Gerdemannschen Tongrube und fanden Spektakuläres.1910 kam die erste Sensation: Ein „Schlangenhalsdrachen“ wurde in einer Muschelschillbank gefunden.

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Das Skelett des 1910 in Gronau geborgenen Brancasaurus wurde 1912 der Öffentlichkeit vorgestellt. (Foto: Stadtarchiv Gronau)

 

Zwei Jahre später kamen weitere Skelettreste hinzu. Auch eine nicht vollständige Schildkröte gehörte zu den Funden dieser Sammler. Neben vielen Fischresten fand man auch einen Krokodielzahn. Der Paläontologe Theodor Wegner erkannte schon damals, kurz nach dem Fund, dass das Skelett sich unterschied von einer damals neu beschriebenen Brancasaurus-Art, die ebenfalls in der Grube entdeckt worden war. Wegener benannte die Art nach dem berühmten deutschen Paläontologen Wilhelm von Branca, bei dem er in Berlin studiert hatte,Brancasaurusbrancai. 

So entstand schon vor dem Ersten Weltkrieg eine Ausstellung in Gronau für eine „Versteinerungs-sammlung“. Zunächst in der städtischen Turnhalle, 1926 auf einem Flur der damaligen Oberrealschule. Eine Schule der Evangelischen Kirche im Zentrum Gronaus (1930) sollte nun zum Museum der Exponate werden. 1931 war es dann soweit, das Museum wurde Eröffnet.

Der damalige Universalgelehrte Prof. Hermann Quantz, Gymnasiallehrer und Sachverständiger für Pflanzenuntersuchungen der Stadt Gronau, wurde nun als Konservator des gerade gegründeten Stadtmuseums eingesetzt und war für die Aufbereitung und Ausstellung zahlreichen Gronauer Bodenfunde zuständig. Quantz betreute die Schausammlung bis zu seiner Pensionierung 1932. Das Museum wurde 1937 geräumt und es begann eine desaströse Odyssee über die Dachböden verschiedener Gronauer Schulen.

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Das Städtische Heimatmuseum 1931, im Bild Professor Herrmann Quantz. (Foto: Stadtarchiv Gronau) 

Beschrieben wurde der Gronauer Schubladensaurus (Brancasaurus) 1961 noch einmal von dem Museumsmitarbeiter Paul Siegfried (Paläontologisches Museum der Universität Münster). 1980 beschloss der Rat der Stadt Gronau, auf Betreiben des Heimatvereins und durch die Zusage einer Beteiligung des LWL Münster, die Errichtung eines Museums. Bis 1988 entstand so ein Museum in Gronau (Drilandmuseum) mit dem Schwerpunkt Paläontologie. Mittelpunkt war und ist der Schwimmsaurier. 

Der „Gronausauruswegneri“ 

Der Kurator Dr. Oliver Hampe, Experte für Evolutions- und Biodiversitätsforschung am Museum für Naturkunde in Berlin, nahm sich das Skelett, aber auch die in der Region verstreuten Fossilien aus Gronau an. Jahrzehntelang wurde angenommen, dass das zweite Skelett auch ein Brancasaurus ist. Dr. Oliver Hampe wollte es genau wissen. Es wurde zwar in den 90er Jahren schon vermutet, das es sich bei dem zweiten Skelett um eine andere Spezies handeln könnte, aber kein Münsteraner Wissenschaftler machte sich die Mühe, diesen Zweifel auszuräumen. Da musste erst ein Engagierter Berliner Wissenschaftler her, der die zweite Spezies alsGronausaurus bestimmte.Dr. Oliver Hampe schätzt das Alter auf 137,5 Millionen Jahre. 2015 soll nach der Fertigstellung des Geomuseums an der Pferdegasse in Münster, der Gronausaurus endgültig ausgestellt werden.

Unser Dank gilt Gerhard Lippert vom Stadtarchiv Gronau für die Bilder.